Heike Roegler - Kultur ist Vielfalt.

15.08.2017

Heike Roegler

Kultur ist Vielfalt.

Für mich persönlich bedeutet Vielfalt eine Bereicherung. Ich muss mein Gegenüber, andere, das Andere wahrnehmen, ggf. aus meiner eigenen Komfortzone heraus kommen, um zu einem Verständnis zu gelangen. Im Idealfall entdecke ich etwas, was mir besonders gut gefällt und ich mir aneignen möchte.

Was bedeutet das in Museen?

Die Objekte

Naheliegend ist es, an die Sammlung eines Hauses, an seine Objekte zu denken.
Im Museum gibt es Objekte jeglicher Art (wir sprechen von Flachwaren, 3D-Objekten, Gemälden und Drucken, Textilien oder Holz u.v.a.).

Persönliche Bezüge und kreative Zugänge können Anlässe geben, sich mit den Objekten auseinander zu setzen. Wo kommen sie her? Welche Geschichten haben sie? Ein Austausch mit anderen Menschen dazu ist wünschenswert. Interessant ist dann die Frage: Welchen Zugang hat dabei mein Gesprächspartner?

Menschen sind vielfältig. Und unsere Gesellschaft verändert sich stetig.

Die Menschen

Ich wurde neulich gefragt, ob ich statt der Dinge nicht den Menschen mehr in den Fokus nehmen kann. Im Museum sind wir es gewohnt, von den Dingen zum Menschen zu schauen, da sich in unserer Arbeit alles um die Objekte dreht. Wir sammeln sie, beforschen sie, bewahren und vermitteln sie.

Interessant wird es, wenn man über die Auswahl der Dinge nachdenkt, denn sie verrät etwas über die verschiedenen Weisen der Welterzeugung der Menschen (Nelson Goodman), die ihnen zugrunde liegt.
Objekte mit ihren Geschichten (historisch wie aktuell) geben auf diese Weise eine Menge Anlass zu vielfältigen Gedanken.

Heißt das also, dass Vielfalt selbstverständlich im Museum gegeben ist?
Nicht so ganz. Ehrlicherweise ist die klassische Museumswelt vom Bildungsbürgertum geprägt, obwohl es immer wieder den Ansatz der Bildung für alle gab.

Vielfalt durch Partizipation?

Aber es bewegt sich was. Vor allem in dem Bereich meiner Arbeit, in der Vermittlung, wird viel stärker in Richtung eines »partizipativen Museums, das Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen fördert und Integration als wechselseitigen Prozess versteht« (Deutscher Museumsbund) gedacht.

Der deutsche Museumsbund formuliert das so:
»In einer Einwanderungsgesellschaft, wie wir sie in Deutschland haben, führt die kulturelle Vielfalt auch in der Museumsarbeit zu einem Perspektivwechsel und einer Neuorientierung. Dies folgt aus der Museumsdefinition des Internationalen Museumsrats ICOM, die Museen als gemeinnützige Einrichtungen ,im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung’ … Ein Perspektivwechsel erlaubt einen neuen Blick auf das Museum und aus dem Museum heraus. Die aktive Mitwirkung der Besucher ermöglicht im Idealfall eine neue Verständigung über Geschichte und Gegenwart, Kultur und Umwelt und vieles mehr beschreibt.« (Museen, Migration und kulturelle Vielfalt, Seite 7 )

Fazit

Die Hamburger Museen finden auf viele Arten und Weise Wege, Teilhabe zu fördern. Kreativ, informativ, inklusiv. Dialoge entstehen sowohl nach außen, aber auch in die Häuser hinein, denn es sind alle gefragt, die Vielfalt der Kultur zu entdecken und transportieren. Das ist nicht immer einfach und fordert auch mal heraus. Aber es ist bereichernd, weil wechselseitige Kommunikation stattfindet und ein gegenseitiges Verständnis entstehen kann.

Und all das ist ein Grund, warum ich meine Arbeit so mag, dass ich so viel entdecken und erfahren kann. Kultur ist Vielfalt und Vielfalt bereichert mich.

Abschließen möchte ich noch einmal mit einem Zitat des Deutschen Museumsbunds, das die Vielfältig der Gesellschaft beschreibt: »Es stellte sich heraus, dass je nach Einstellungen und Präferenzen, sozialer Lage und Bildungsgrad, die Wertschätzung und Nutzung kultureller Angebote zwischen den einzelnen Milieus stark differiert. Innerhalb der Milieus sind dagegen kaum Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu erkennen. Für die Museumsarbeit spielt deshalb das Wissen um soziale Milieus jenseits ethnischer Zuschreibungen eine wesentliche Rolle: »Menschen mit Migrationshintergrund« gibt es nicht als eine homogene Zielgruppe, die mit speziellen Angeboten geworben werden könnte. Sie sind in allen sozialen Milieus vertreten. Dies bedeutet für die Museen, dass alle ihre Angebote der Vielfältigkeit der Gesellschaft Rechnung tragen sollten.« (Museen, Migration und kulturelle Vielfalt, Seite 11)

Lesen Sie hier dazu Heike Roeglers Zusammenstellung von beispielhaften Projekten von Hamburger Museen

Heike Roegler, Altonaer Museum und Kinderbuchhaus
heike.roegler[at]altonaer-museum.hamburg.de

Heike Roegler hat Empirische Kulturwissenschaft studiert und eine Leidenschaft für Geschichten. Sie leitet die Leitung der Museumspädagogik/Bildung und Vermittlung in der Stiftung Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum und ist freie Mitarbeiterin im Bereich Programmorganisation im Hamburger Kinderbuchhaus sowie freie Dozentin mit dem Arbeitsschwerpunkt Interaktives Geschichtenerzählen und Leseförderung.