KULTUR IST VIELFALT: BLOG

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 hat die LAG Kinder- und Jugendkultur eine hamburgweite Kampagne für Vielfalt in der Kultur gestartet. Im BLOG zu dem Thema stellen wir weiterhin gelungene Hamburger Projekte für Vielfalt in der Kulturellen Kinder- und Jugendbildung vor. Wir informieren über die Hintergründe der Thematik und posten Gastbeiträge von Hamburger Akteuren der Kulturellen Bildung.

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04.01.2018

Matthias Laurisch

Musik – ganz praktisch! Strukturanpassungen für Vielfalt in der Musikjugend

In der Deutschen Bläserjugend (DBJ) haben wir uns in den letzten Jahren noch einmal intensiv mit der Vielfalt in unseren Verbandsstrukturen auseinander gesetzt. Ausgehend vom weiten Inklusionsbegriff haben wir Strukturanpassungen vorgenommen und in Projekten unsere Arbeit weiterentwickelt. Einige Punkte sollen im Folgenden erläutert werden.

In der DBJ sind ca. 350.000 Kinder und Jugendliche organisiert, die in ca. 10.000 ehrenamtlich geführten Vereinen ein Blas- oder Schlaginstrument spielen. In den Vereinen spielen Menschen unterschiedlichsten Alters zusammen und bereichern so den lokalen Raum. Als DBJ war es uns wichtig die Bemühungen von Vereinen vor Ort in Bezug auf den Einbezug neuer Zielgruppen und auf die Bedürfnisse der Mitglieder zu unterstützen. Wir haben dazu verschiedene Projekte entwickelt, Modelle erprobt und unsere eigene Arbeit verändert.

Am Beginn unserer Überlegungen stand die Auseinandersetzung mit Begrifflichkeiten. Was ist Inklusion und was heißt das für uns? Wo sind wir anschlussfähig und wo müssen wir hinschauen? Wir haben Barrieren in unserer eigenen Arbeit überprüft. Ein Aufbaumodul für die Jugendleiter_in-Card widmet sich diesen Fragen und wir haben sie ganz praktisch gelebt. Vor jeder Veranstaltung fragen wir uns, was es braucht, um möglichst vielen Menschen eine Teilnahme zu ermöglichen. Das beginnt bei der Anfahrt und endet noch nicht bei der Sitzordnung. Auch Fragen nach Hierarchie, oder Geschlechterverhältnissen spielen für uns eine Rolle.

In Bezug auf künftige Vorstände führen wir Seminare durch, in denen wir Strukturanpassungen besprechen. Vorstände sollen zukünftig einen besseren Überblick über Aufgaben und Zeitanforderungen bekommen, es soll stärker auf den jeweiligen Ehrenamtstyp eingegangen werden und die Vorstandsarbeit soll stärker im Team geschehen. So wollen wir Erwartbarkeit, Transparenz und Anerkennungskultur fördern und damit mehr Menschen den Zugang zur Vorstandsarbeit ermöglichen.

Ein großes Projekt der DBJ beschäftigte sich mit Inklusion in Bläserklassen an allgemeinbildenden Schulen. Hier wird Ensemblemusizieren im Klassenverband eingesetzt, um die Kinder schon in jungen Jahren an das Instrumentalspiel heranzuführen. Gemeinsam mit Yamaha Music Europe, dem Institut für Musik der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau und der Abteilung Schulmusik der Hochschule für Musik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz stellten wir uns die Frage, wie sich die Bläserklassenarbeit verändern muss, wenn an den allgemeinbildenden Schulen Inklusion stärker umgesetzt wird. Herausgekommen sind spannende Erkenntnisse in Bezug auf Methoden, Befähigung der Lehrer_innen und zur Ausstattung der musikalischen Arbeit.

Unsere Bemühungen zu inklusiverer musikalischer Ausbildung endeten aber nicht bei der Bläserklasse. In den Amateurmusikverbänden gibt es eine Rahmenrichtlinie für die Ausbildung von jungen Musiker_innen, die sogenannte D-Reihe. Gemeinsam mit der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen wurde die Rahmenrichtlinie überarbeitet und um inklusive Methoden erweitert. Im Jahr 2017 wurde dieser Arbeitsstrang um digitale Werkzeuge wie eine Wissensplattform, Methodenvideos und ein Fotoarchiv zu inklusiver musikalischer Arbeit erweitert. 2018 werden diese Werkzeuge verfügbar sein.

Die DBJ ist ein jugendpolitischer Verband. Daher ist es uns wichtig, uns jenseits der internen Arbeit auch gesellschaftspolitisch zu positionieren. 2015 haben wir uns auf einer Arbeitstagung intensiv mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt und eine Positionierung des Verbandes erarbeitet. Sie hilft uns in den aktuellen politischen Debatten. 2017 sind wir dem Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit beigetreten und wollen uns hier einbringen.


Matthias Laurisch ist Referent für Bildung und Jugendpolitik bei der Deutschen Bläserjugend in Berlin. Er studierte Soziologie an der Freien Universität Berlin. Er ist ausgebildeter Freiwilligenkoordinator und leitet deutschlandweit Seminare zur Strukturentwicklung im Ehrenamt.

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13.12.2017

Nana Kintz

Zugang zur Kunst für alle – »Pilot Inklusion« in Hamburg

Ausgehend von unserem LAG-Thema »Kultur ist Vielfalt« und auch angestoßen von der neuen barrierefreien Sammlungspräsentation in der Berlinischen Galerie fragte ich mich, wie es denn eigentlich um die Barrierefreiheit in Hamburg steht, insbesondere in den Kunstmuseen. Immerhin nahm das Museum für Kunst und Gewerbe gerade fast heimlich als einziges Hamburger Museum an der Initiative »Pilot Inklusion« teil. Auf der Fachtagung »Für eine inklusive Gesellschaft. Diversität und das Museum von morgen« wurden letzte Woche in Bonn die Ergebnisse des dreijährigen Förderprojekts vorgestellt und diskutiert. Die Abschlusspublikation dazu ist online barrierefrei zugänglich. Im Gespräch mit Dr. Manuela van Rossem und Friederike Fankhänel von der Vermittlungsabteilung des MKG wollte ich wissen, was »Pilot Inklusion« genau ist und wie dieses Museum Barrierefreiheit denkt.

»Pilot Inklusion« wurde initiiert von der Bundeskunsthalle Bonn unter Beteiligung der Klassik Stiftung Weimar, des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, dem Augustinermuseum in Freiburg, dem Bundesverband Museumspädagogik und dem Verein Blinde und Kunst. Die Initiative wurde über drei Jahre von der Staatsministerin für Kultur und Medien gefördert. Leitende Fragen der Initiatoren für den Austausch der Museen untereinander waren: Wie kann kulturelle Teilhabe im Sinne eines umfassenden Inklusionsbegriffs nachhaltig gelingen? Welche Rolle kann und will das Museum eigentlich in einer diversen Gesellschaft einnehmen? Ziel war schließlich die Entwicklung einer Matrix, eines modularen Vermittlungskonzepts zu inklusiver Bildung im Museum.

Was genau ist also im MKG im Rahmen der Initiative passiert? Für das MKG war das Projekt ein »gesunder Rahmen, um das anzugehen, wie eine Schutzhülle«, so Manuela van Rossem. Für die Führungsebenen ist nämlich meist das Argument einer Anbindung an ein großes Prestigeprojekt nötig, um mitzuziehen oder auch eine Carte blanche zu gewähren. Für die Projekte wurde professionelle Beratung hinzugeholt, etwa von der Lebenshilfe Hamburg oder von Mathias Knigge von grauwert. Büro für Inklusion & demografiefeste Lösungen.

Manuela und Friederike nahmen die aktuelle Ausstellung und Sammlungsneupräsentation des Museums zum Jugendstil zum Anlass, um drei nachhaltige inklusive Projekte zu realisieren. Zunächst wurde in Zusammenarbeit mit Keramikkünstler*innen ein mobiles Set mit unterschiedlich glasierten Keramiken zum Anfassen und Be-Greifen von Jugendstil-Glasuren entwickelt. Denn die Originale darf man nicht abtasten. Mit Hilfe von Lebenshilfe Hamburg entstand danach ein Begleitheft zum Jugendstil in Alltagssprache, das dauerhaft in der Ausstellung ausliegt und online barrierefrei verfügbar ist. Die Herausforderung bestand darin, eine allgemein verständliche Sprache anzuwenden, die nicht mit dem Label »Leichte Sprache« das breite Publikum verschreckt, sondern mit einer einfachen, aber essenziellen Erklärung des Jugendstils und seiner Akteure alle ansprechen und erreichen kann.

Das größte und aufwendigste Projekt zu Pilot Inklusion ist das ebenfalls barrierefreie Web-Journal »Bewegte Jahre – Auf den Spuren der Visionäre«. Die Idee ist genial: der Nutzer bewegt sich anhand des Tagebuchs des fiktiven Reporters Christian Heller auf den Spuren der Zeitzeugen des Jugendstils. Digitalisierte Exponate aus der Sammlung des MKG werden einbezogen. Heller skizziert nicht nur Hamburg um 1900, sondern reist auch nach Wien, Paris oder Glasgow, so dass am Ende ein vielfältiges, multimediales Puzzle aus Kunst und Kulturgeschichte entsteht und das europäische Netzwerk des Jugendstils greifbar macht. Blinden und sehbehinderten Menschen wird die Möglichkeit geboten, die Inhalte des Web-Journals durch ausführliche, auslesbare Bildbeschreibungen und eine tastaturbasierte Navigation zu entdecken. Die alternative Bildbeschreibung, die eigentlich für Blinde und Sehbehinderte gedacht ist, war während der Produktion auch für die beiden Vermittlerinnen fruchtbar – sie habe viel fürs Sehen und Hineindenken gebracht. Für Schulklassen ist das Webjournal übrigens geradezu ideal, das muss sich nur weiter herumsprechen.

Wichtig ist Manuela und Friederike, dass die inklusiven Angebote keine Konkurrenz zur kuratorischen Arbeit darstellen, sondern eine Ergänzung. Ist es nun gelungen, im Rahmen von Pilot Inklusion ein modulares Konzept zu entwickeln, das auch andere Häuser anwenden können? Konkrete Module sind nicht entstanden, sondern alle beteiligten Institutionen haben eigene Ansätze gefunden. An diesen können sich aber andere interessierte Institutionen orientieren. Es bleibt allerdings wie immer auch bei diesem Projekt ein Gap zwischen dem Anspruch und dem, was umgesetzt wird. Etwa bei Umbauprojekten wird Inklusion bei der Planung zunächst groß geschrieben, bei der Realisierung aber eine Minimallösung gefunden. In Museen fühlt sich oft keine Abteilung für Inklusion und Barrierefreiheit verantwortlich; die Zuständigkeiten werden hin- und hergeschoben. Für die meisten beginnt Barrierefreiheit beim Fahrstuhl und hört dort auch schon auf. Genuin im Vermittlungsbereich angesiedelt ist das Thema nicht, sondern sollte alle Ebenen von öffentlichen Einrichtungen angehen. In ihrem Blogbeitrag schreibt Angelika Schoder zu dem Thema: »Denn jedes Mitglied der Gesellschaft hat ein Recht darauf, am kulturellen Leben teilzuhaben. Hiervon profitieren letztendlich nicht nur Einzelne, da eine inklusive Kultur auch einen gesellschaftlichen Mehrwert für alle bedeuten kann. Und schließlich führt ein breiteres Publikum auch zu mehr Nachfrage nach kulturellen Angeboten – und damit können wiederum die Angebote weiter ausgebaut werden.« Es wäre also eine Win-win-Situation für alle.

Wie geht es mit dem Thema Inklusion am MKG weiter? Die drei beschriebenen Produkte werden weiterhin die ständige Jugendstil-Sammlung begleiten. Auch im Hubertus Wald Kinderreich gibt es inklusive Angebote, speziell für Kinder. Im betreuten Hands-On Bereich können auch Menschen mit Sehbehinderungen unterschiedlichste Formen und Materialien ertasten und sich darüber mit Designfragen auseinandersetzen. Für die Zusammenarbeit mit Schulen, auch im Bereich Inklusion, wünscht sich das MKG noch mehr gute Zusammenarbeit, die in die Breite geht und nicht nur eine einzige Schulklasse erreicht. Es ist beträchtlich, was an aufwendigen Vermittlungsprodukten mit guter Gestaltung und guten (in house geschriebenen!) Texten regelmäßig aus dieser kleinen Abteilung kommt. Aber auch das MKG hat begrenzte Ressourcen. Um solche Projekte regelmäßig realisieren zu können, fehlt das Entscheidende – Geld. Was sich Manuela und Friederike außerdem wünschen und was scheinbar so einfach und wofür das MKG geradezu prädestiniert ist: die kunstgewerblichen Exponate ganz barrierefrei anfassen lassen zu dürfen.

Jetzt müsste noch dieser Artikel hier barrierefrei sein und in verständlicher Sprache geschrieben…

Nana Kintz ist Kunsthistorikerin und Mitarbeiterin der LAG Kinder- und Jugendkultur Hamburg. Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kulturellen Bildung in den Deichtorhallen Hamburg, daher liegt ihr das Thema Kunst- und Kulturvermittlung besonders am Herzen.

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22.09.2017

Andreas Fleischmann

Kultur ist Vielfalt – Was sonst?!

Laut Duden ist Kultur die »Gesamtheit der […] geschaffenen, charakteristischen geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen« einer menschlichen Gemeinschaft. Das ist eine sehr allgemeine Definition, macht aber den kreativen, aktiven und vielseitigen Charakter von Kultur deutlich. Kultur ist nicht nur Kunst, aber Kunst ist sicher der Teil von Kultur, der den Menschen den größten gestalterischen Freiraum bietet. Neue Impulse in die Gesellschaft tragen und aus alten Zusammenhängen neue Bedeutungsmuster weben, das sind Funktionen von Kunst. Dabei gilt: Umso vielfältiger der Nährboden, umso reicher ist der Ertrag.

Teds, Mods und Cosplayer

In der heutigen Zeit kann man sich in unserer Gesellschaft die Kunstart und damit auch die spezifische Gemeinschaft, in der man Kunst schafft, weitestgehend frei aussuchen. Die einen wollen Heavy Metal auf der E-Gitarre spielen, die anderen lieber einen Off-Beat mit dem Schlagzeug unter die Raps ihrer Freunde legen. Wieder andere zeichnen japanische Manga-Figuren oder malen die Graffitis aus den Straßen Brooklyns nach. Gerade für die Jugendlichen im digitalen Zeitalter ist diese Vielfalt selbstverständlich. Es gibt unzählige Jugend- und Subkulturen, die neu entstehen und auch wieder verschwinden. Welcher Jugendliche erinnert sich heute noch an Teds und Mods, die britischen Jugendkulturen der 50er und 60er Jahre? Im Gegenzug versteht kaum ein Erwachsener die komplexe Welt der Anime-Cosplayer. In den Großstädten Deutschlands existieren zahlreiche Kulturen nebeneinander und werden vielfach gefördert: von 300 Jahre alter Geigenmusik bis zu den Breakdance-Battles in den Jugendkulturzentren. Wie heißt es im Leitbild der Hamburger LAG Kinder- und Jugendkultur so kurz wie treffend: »Hamburg ist eine Stadt vieler Kulturen.« Die Multikulturalität unserer heutigen Gesellschaft ist eigentlich unstrittig, nur wie damit umzugehen ist, wird gerade wieder vor der Bundestagswahl kontrovers diskutiert. Aus der Perspektive eines Jugendkunsthauses kann ich nur sagen: Kulturelle Vielfalt ist in jeder Hinsicht zu begrüßen.

»Ja, wir sind alle Individuen!« (Das Leben des Brian)

Kultur ist Vielfalt – auf eine andere Idee würden wir in der Esche gar nicht kommen! Wie auch? Im Esche Jugendkunsthaus in Hamburg-Altona treffen sich jede Woche rund 200 Kinder und Jugendliche aus mannigfaltigen Zusammenhängen, alle bringen ihre ganz eigenen Hintergründe, Vorstellungen und Erfahrungen mit. Sie kommen von Stadtteilschulen, Gymnasien und Förderschulen. Manche leben seit ihrer Geburt in diesem Land, andere sind gerade erst hinzugekommen. Die einen finden ihren Ausdruck im Tanz, andere drücken sich mit ihrer Stimme oder auf dem Zeichenblock aus. Jeder und jede bringt sich nach seinen/ihren Fähigkeiten, Interessen und Möglichkeiten ein. Die Konstellationen scheinen unendlich… Entsprechend vielfältig sind auch die Ergebnisse: In den Breakdance- und HipHop-Tanzkursen fließen verschiedene Musikstile und Tanzrichtungen ein. HipHop ist dafür ideal – ein Schmelztiegel der Kulturen. Im Gesangskurs müssen sich die Sängerinnen und Sänger immer wieder mit den unterschiedlichen Musikgeschmäckern auseinandersetzen. Singen wir jetzt das Lied von Ed Sheeran oder von Ariana Grande? Nicht nur in den Theaterkursen wird hitzig diskutiert, wie genau das Ergebnis am Ende aussehen soll.

Vielfalt als Voraussetzung

Die Esche versucht aktiv durch Vernetzung mit Jugendhilfe, Schulen und Kulturschaffenden, die Begegnung junger Menschen aller Schichten, Milieus und Herkünfte zu ermöglichen. Trotz aller kultureller und auch sozialer Unterschiede werden die Heranwachsenden gemeinsam aktiv und schaffen etwas Neues. Oder gerade auf Grund dieser Unterschiede? Die vielfältigen Einflüsse sorgen für eine besonders kreative Auseinandersetzung und individuelle Ergebnisse. Neues entsteht meist aus der Kombination oder Neuinterpretation von Altbekanntem. Wenn der Erfahrungs- und Wissensschatz der Prozessbeteiligten vielfältig ist, sind es zwangsläufig auch die Ergebnisse. Die Hausordnung ist der Grundkonsens, ansonsten sollen sich Ideen, Werte und Einstellungen in der Esche frei entfalten. Vielfalt ist damit nicht nur Teil des Konzepts unseres Jugendkunsthauses, sondern auch unabdingbare Voraussetzung in einem erfolgreichen künstlerischen Prozess. Die Kampagne »Kultur ist Vielfalt« der LAG Kinder- und Jugendkultur bringt für mich genau dies zum Ausdruck.

Andreas Fleischmann hat als Leiter den Aufbau des Jugendkunsthaus Esche von Beginn an begleitet. Seit Februar 2016 bietet die Esche Kreativkurse aller Art für Jugendliche ab der fünften Klasse an. Mittlerweile besuchen jede Woche rund 200 junge Menschen die kostenlosen Angebote. Als studierter Ethnologe, Soziologe und Philosoph sind für ihn Kunst und Kultur vielschichtige Begriffe, die in der Esche in ihren zahlreichen Facetten ausgefüllt werden sollen. Nach Stationen bei Amnesty International und dem bundesweiten Nachbarschaftsbündnis Netzwerk Nachbarschaft setzt er sich in der Esche dafür ein, Kinder und Jugendliche für die schönen Künste zu begeistern und ihre Talente zu fördern.

Fotos: Jugendkunsthaus Esche

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13.09.2017

Birte Müller

Warum ist der so komisch? – Auf Planet Willi darf man alles fragen!

Die Illustrationen zu meinem Bilderbuch »Planet Willi« sind im Kinderbuchhaus im Altonaer Museum ausgestellt. Es ist immer etwas Besonderes, die Originale zeigen zu können. Sonst sehen die Menschen ja nur einen Abdruck meiner Bilder. Aber was mich noch viel mehr freut, ist, dort regelmäßig die Möglichkeit zu haben für Schulklassen mit diesem Buch Workshops zu machen. Denn es ist mehr, als nur eine lustige Geschichte…

Inklusion ist ein Wort, das mittlerweile so abgenutzt ist, dass ich es als Mutter eines behinderten Kindes kaum noch hören kann.

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31.08.2017

Ralf Classen

Kulturelle Vielfalt ist der Reichtum der Völker!

Jetzt ist sie wieder gestartet – zum 18. Mal – die KinderKulturKarawane, die eine Bühne für die Jugend der Welt geworden ist. Und gelebte kulturelle Vielfalt. Rein statistisch haben wir bis heute 60 bis 70 verschiedene Kulturen aus dem Globalen Süden präsentieren können. Dazu diverse kulturelle Ausdrucksformen und eine Idee davon, was der Beschluss der UNESCO Ende der 1990er Jahre bedeuten kann: Kulturelle Vielfalt ist der Reichtum der Völker!

Das Manifest der UNESCO war damals eine klare Antwort auf die Ängste vieler Menschen, andere Kulturen würden die »eigene Kultur« verdrängen. Andere Kulturen sind keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung. Das versteht aber natürlich nur, wer nicht von einem statischen Kulturbegriff ausgeht, oder gar von einer Leitkultur, deren »Identität« im Händeschütteln besteht und übersieht was sich in der Bussi-Bussi-Gesellschaft breitgemacht hat.

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22.08.2017

Kulturelle Teilhabe für Gehörlose

Kurz-Interview mit Martina Bergmann

Martina Bergmann arbeitet für den Museumsdienst Hamburg und ist in der Stadt DIE Instanz für Führungen in Gehörlosensprache durch die Ausstellungslandschaft. Sie trägt mit ihren Angeboten für Erwachsene, Senioren, Kinder und Jugendliche zur Vielfalt in der Kultur bei, indem sie Gehörlosen und Gebärdensprachenkompetenten die Teilhabe und den Zugang ermöglicht.

LAG: Liebe Martina, wie kamst du zu deiner Tätigkeit?

MARTINA BERGMANN: Ich wurde damals in der Schule für Gehörlose und Schwerhörige hier in Hamburg angesprochen, ob ich Interesse an einen Job in der Kunsthalle hätte. Dort habe ich dann als freie Mitarbeiterin angefangen. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin, Führungen für Gehörlose und Schwerhörige zu veranstalten. Dann wurde ich einige Jahre später vom Museumsdienst übernommen, um diese Führungen in Gebärdensprache auch in anderen Museen anbieten zu können.

LAG: Was bedeutet für dich Vielfalt in der Kultur?

MARTINA BERGMANN: Vielfalt ist heutzutage wichtiger denn je. Kunst und Kultur spiegeln unsere Gesellschaft. Es ist wichtig, dass wir zusammen kommen können in einer Umgebung, die es erlaubt, uns frei auszudrücken und die die offenen Diskurse fördert und fordert.

LAG: Wie nimmst du kulturelle Vielfalt in Hamburg wahr, muss sich da noch etwas tun?

MARTINA BERGMANN: Kulturell ist Hamburg im Vergleich zu anderen Städten Deutschlands sehr gut aufgestellt, besonders im Bereich der gebärdensprachlichen Angebote. Problematischer sind für mich da eher die Eintrittspreise für einige Museen. Gehörlose/Schwerhörige sind oft nicht besonders vermögend und meiner Erfahrung nach schrecken die Kosten einige davon ab, regelmäßig ins Museum zu gehen.

Für weitere Nachfragen und bei Interesse können gerne Termine vereinbart werden. Wenden Sie sich hierfür gerne an Martina Bergmann, Skype: museumsdiensthh, E-FAX: 040 427 925 324, Bildtel.: 040 311 080 03, Martina.Bergmann@museumsdienst-hamburg.de.
Weitere Infos und Videos mit Martina Bergmann zu den Sonderausstellungen

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15.08.2017

Heike Roegler

Kultur ist Vielfalt.

Für mich persönlich bedeutet Vielfalt eine Bereicherung. Ich muss mein Gegenüber, andere, das Andere wahrnehmen, ggf. aus meiner eigenen Komfortzone heraus kommen, um zu einem Verständnis zu gelangen. Im Idealfall entdecke ich etwas, was mir besonders gut gefällt und ich mir aneignen möchte.

Was bedeutet das in Museen?

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