KULTUR IST VIELFALT: BLOG

Im Vorfeld der Bundestagswahl hat die LAG Kinder- und Jugendkultur eine hamburgweite Kampagne für Vielfalt in der Kultur gestartet.

Im wachsenden Kultur ist Vielfalt BLOG stellen wir weiterhin gelungene Hamburger Projekte für Vielfalt in der Kulturellen Kinder- und Jugendbildung vor. Wir informieren über die Hintergründe der Thematik und posten Gastbeiträge von Hamburger Akteuren der Kulturellen Bildung.

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Bisher im BLOG:

- Zahlreiche Good Practice Projekte
- Heike Roegler, Altonaer Museum: Kultur ist Vielfalt.
- Interview mit Karolina Braun, University of Applied Sciences Europe:
Von der Herausforderung, einer Kampagne ein Gesicht zu geben
- Interview mit Martina Bergmann, Museumsdienst Hamburg: Kulturelle Teilhabe für Gehörlose
- Ralf Classen, Büro für Kultur und Medien, KinderKulturKarawane: Kulturelle Vielfalt ist der Reichtum der Völker!
- Birte Müller, Autorin und Illustratorin: Warum ist der so komisch? – Auf Planet Willi darf man alles fragen!
- Andreas Fleischmann, Jugendkunsthaus esche: Kultur ist Vielfalt – Was sonst?!

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22.09.2017

Andreas Fleischmann

Kultur ist Vielfalt – Was sonst?!

Laut Duden ist Kultur die »Gesamtheit der […] geschaffenen, charakteristischen geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen« einer menschlichen Gemeinschaft. Das ist eine sehr allgemeine Definition, macht aber den kreativen, aktiven und vielseitigen Charakter von Kultur deutlich. Kultur ist nicht nur Kunst, aber Kunst ist sicher der Teil von Kultur, der den Menschen den größten gestalterischen Freiraum bietet. Neue Impulse in die Gesellschaft tragen und aus alten Zusammenhängen neue Bedeutungsmuster weben, das sind Funktionen von Kunst. Dabei gilt: Umso vielfältiger der Nährboden, umso reicher ist der Ertrag.

Teds, Mods und Cosplayer

In der heutigen Zeit kann man sich in unserer Gesellschaft die Kunstart und damit auch die spezifische Gemeinschaft, in der man Kunst schafft, weitestgehend frei aussuchen. Die einen wollen Heavy Metal auf der E-Gitarre spielen, die anderen lieber einen Off-Beat mit dem Schlagzeug unter die Raps ihrer Freunde legen. Wieder andere zeichnen japanische Manga-Figuren oder malen die Graffitis aus den Straßen Brooklyns nach. Gerade für die Jugendlichen im digitalen Zeitalter ist diese Vielfalt selbstverständlich. Es gibt unzählige Jugend- und Subkulturen, die neu entstehen und auch wieder verschwinden. Welcher Jugendliche erinnert sich heute noch an Teds und Mods, die britischen Jugendkulturen der 50er und 60er Jahre? Im Gegenzug versteht kaum ein Erwachsener die komplexe Welt der Anime-Cosplayer. In den Großstädten Deutschlands existieren zahlreiche Kulturen nebeneinander und werden vielfach gefördert: von 300 Jahre alter Geigenmusik bis zu den Breakdance-Battles in den Jugendkulturzentren. Wie heißt es im Leitbild der Hamburger LAG Kinder- und Jugendkultur so kurz wie treffend: »Hamburg ist eine Stadt vieler Kulturen.« Die Multikulturalität unserer heutigen Gesellschaft ist eigentlich unstrittig, nur wie damit umzugehen ist, wird gerade wieder vor der Bundestagswahl kontrovers diskutiert. Aus der Perspektive eines Jugendkunsthauses kann ich nur sagen: Kulturelle Vielfalt ist in jeder Hinsicht zu begrüßen.

»Ja, wir sind alle Individuen!« (Das Leben des Brian)

Kultur ist Vielfalt – auf eine andere Idee würden wir in der Esche gar nicht kommen! Wie auch? Im Esche Jugendkunsthaus in Hamburg-Altona treffen sich jede Woche rund 200 Kinder und Jugendliche aus mannigfaltigen Zusammenhängen, alle bringen ihre ganz eigenen Hintergründe, Vorstellungen und Erfahrungen mit. Sie kommen von Stadtteilschulen, Gymnasien und Förderschulen. Manche leben seit ihrer Geburt in diesem Land, andere sind gerade erst hinzugekommen. Die einen finden ihren Ausdruck im Tanz, andere drücken sich mit ihrer Stimme oder auf dem Zeichenblock aus. Jeder und jede bringt sich nach seinen/ihren Fähigkeiten, Interessen und Möglichkeiten ein. Die Konstellationen scheinen unendlich… Entsprechend vielfältig sind auch die Ergebnisse: In den Breakdance- und HipHop-Tanzkursen fließen verschiedene Musikstile und Tanzrichtungen ein. HipHop ist dafür ideal – ein Schmelztiegel der Kulturen. Im Gesangskurs müssen sich die Sängerinnen und Sänger immer wieder mit den unterschiedlichen Musikgeschmäckern auseinandersetzen. Singen wir jetzt das Lied von Ed Sheeran oder von Ariana Grande? Nicht nur in den Theaterkursen wird hitzig diskutiert, wie genau das Ergebnis am Ende aussehen soll.

Vielfalt als Voraussetzung

Die Esche versucht aktiv durch Vernetzung mit Jugendhilfe, Schulen und Kulturschaffenden, die Begegnung junger Menschen aller Schichten, Milieus und Herkünfte zu ermöglichen. Trotz aller kultureller und auch sozialer Unterschiede werden die Heranwachsenden gemeinsam aktiv und schaffen etwas Neues. Oder gerade auf Grund dieser Unterschiede? Die vielfältigen Einflüsse sorgen für eine besonders kreative Auseinandersetzung und individuelle Ergebnisse. Neues entsteht meist aus der Kombination oder Neuinterpretation von Altbekanntem. Wenn der Erfahrungs- und Wissensschatz der Prozessbeteiligten vielfältig ist, sind es zwangsläufig auch die Ergebnisse. Die Hausordnung ist der Grundkonsens, ansonsten sollen sich Ideen, Werte und Einstellungen in der Esche frei entfalten. Vielfalt ist damit nicht nur Teil des Konzepts unseres Jugendkunsthauses, sondern auch unabdingbare Voraussetzung in einem erfolgreichen künstlerischen Prozess. Die Kampagne »Kultur ist Vielfalt« der LAG Kinder- und Jugendkultur bringt für mich genau dies zum Ausdruck.

Andreas Fleischmann hat als Leiter den Aufbau des Jugendkunsthaus Esche von Beginn an begleitet. Seit Februar 2016 bietet die Esche Kreativkurse aller Art für Jugendliche ab der fünften Klasse an. Mittlerweile besuchen jede Woche rund 200 junge Menschen die kostenlosen Angebote. Als studierter Ethnologe, Soziologe und Philosoph sind für ihn Kunst und Kultur vielschichtige Begriffe, die in der Esche in ihren zahlreichen Facetten ausgefüllt werden sollen. Nach Stationen bei Amnesty International und dem bundesweiten Nachbarschaftsbündnis Netzwerk Nachbarschaft setzt er sich in der Esche dafür ein, Kinder und Jugendliche für die schönen Künste zu begeistern und ihre Talente zu fördern.

Fotos: Jugendkunsthaus Esche

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13.09.2017

Birte Müller

Warum ist der so komisch? – Auf Planet Willi darf man alles fragen!

Die Illustrationen zu meinem Bilderbuch »Planet Willi« sind im Kinderbuchhaus im Altonaer Museum ausgestellt. Es ist immer etwas Besonderes, die Originale zeigen zu können. Sonst sehen die Menschen ja nur einen Abdruck meiner Bilder. Aber was mich noch viel mehr freut, ist, dort regelmäßig die Möglichkeit zu haben für Schulklassen mit diesem Buch Workshops zu machen. Denn es ist mehr, als nur eine lustige Geschichte…

Inklusion ist ein Wort, das mittlerweile so abgenutzt ist, dass ich es als Mutter eines behinderten Kindes kaum noch hören kann.

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31.08.2017

Ralf Classen

Kulturelle Vielfalt ist der Reichtum der Völker!

Jetzt ist sie wieder gestartet – zum 18. Mal – die KinderKulturKarawane, die eine Bühne für die Jugend der Welt geworden ist. Und gelebte kulturelle Vielfalt. Rein statistisch haben wir bis heute 60 bis 70 verschiedene Kulturen aus dem Globalen Süden präsentieren können. Dazu diverse kulturelle Ausdrucksformen und eine Idee davon, was der Beschluss der UNESCO Ende der 1990er Jahre bedeuten kann: Kulturelle Vielfalt ist der Reichtum der Völker!

Das Manifest der UNESCO war damals eine klare Antwort auf die Ängste vieler Menschen, andere Kulturen würden die »eigene Kultur« verdrängen. Andere Kulturen sind keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung. Das versteht aber natürlich nur, wer nicht von einem statischen Kulturbegriff ausgeht, oder gar von einer Leitkultur, deren »Identität« im Händeschütteln besteht und übersieht was sich in der Bussi-Bussi-Gesellschaft breitgemacht hat.

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22.08.2017

Kulturelle Teilhabe für Gehörlose

Kurz-Interview mit Martina Bergmann

Martina Bergmann arbeitet für den Museumsdienst Hamburg und ist in der Stadt DIE Instanz für Führungen in Gehörlosensprache durch die Ausstellungslandschaft. Sie trägt mit ihren Angeboten für Erwachsene, Senioren, Kinder und Jugendliche zur Vielfalt in der Kultur bei, indem sie Gehörlosen und Gebärdensprachenkompetenten die Teilhabe und den Zugang ermöglicht.

LAG: Liebe Martina, wie kamst du zu deiner Tätigkeit?

MARTINA BERGMANN: Ich wurde damals in der Schule für Gehörlose und Schwerhörige hier in Hamburg angesprochen, ob ich Interesse an einen Job in der Kunsthalle hätte. Dort habe ich dann als freie Mitarbeiterin angefangen. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin, Führungen für Gehörlose und Schwerhörige zu veranstalten. Dann wurde ich einige Jahre später vom Museumsdienst übernommen, um diese Führungen in Gebärdensprache auch in anderen Museen anbieten zu können.

LAG: Was bedeutet für dich Vielfalt in der Kultur?

MARTINA BERGMANN: Vielfalt ist heutzutage wichtiger denn je. Kunst und Kultur spiegeln unsere Gesellschaft. Es ist wichtig, dass wir zusammen kommen können in einer Umgebung, die es erlaubt, uns frei auszudrücken und die die offenen Diskurse fördert und fordert.

LAG: Wie nimmst du kulturelle Vielfalt in Hamburg wahr, muss sich da noch etwas tun?

MARTINA BERGMANN: Kulturell ist Hamburg im Vergleich zu anderen Städten Deutschlands sehr gut aufgestellt, besonders im Bereich der gebärdensprachlichen Angebote. Problematischer sind für mich da eher die Eintrittspreise für einige Museen. Gehörlose/Schwerhörige sind oft nicht besonders vermögend und meiner Erfahrung nach schrecken die Kosten einige davon ab, regelmäßig ins Museum zu gehen.

Für weitere Nachfragen und bei Interesse können gerne Termine vereinbart werden. Wenden Sie sich hierfür gerne an Martina Bergmann, Skype: museumsdiensthh, E-FAX: 040 427 925 324, Bildtel.: 040 311 080 03, Martina.Bergmann@museumsdienst-hamburg.de.
Weitere Infos und Videos mit Martina Bergmann zu den Sonderausstellungen

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15.08.2017

Heike Roegler

Kultur ist Vielfalt.

Für mich persönlich bedeutet Vielfalt eine Bereicherung. Ich muss mein Gegenüber, andere, das Andere wahrnehmen, ggf. aus meiner eigenen Komfortzone heraus kommen, um zu einem Verständnis zu gelangen. Im Idealfall entdecke ich etwas, was mir besonders gut gefällt und ich mir aneignen möchte.

Was bedeutet das in Museen?

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