Good Practice Projekte

Hier stellen wir in unserem Kultur ist Vielfalt BLOG wöchentlich Good Practice Projekte unserer Mitglieder vor. Für ältere Einträge bitte nach unten scrollen.

19.10.2017

WIR IM QUARTIER WINTERHUDE – Auf gute Nachbarschaft

Künstlerische und kulturelle Angebote führen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zusammen, sie berühren und schaffen Verständigung, bündeln Engagement und füllen zwischenmenschliche Begegnungen mit Freude, gegenseitigem Respekt und Toleranz. In Winterhude haben sich der Kulturverein Goldbekhaus e.V., die Kirchengemeinde Winterhude-Uhlenhorst und Q8 Quartiere bewegen (Eine Initiative der Evangelischen Stiftung Alsterdorf) zusammengeschlossen, um im Projekt »WIR IM QUARTIER« (WIQ) auf genau die Art gute Nachbarschaft zu gestalten. Sie unterstützen bürgerschaftliches Engagement, bündeln Ressourcen, vernetzen Kapazitäten und schaffen so den Raum für Teilhabe und Begegnung zwischen »alten« und »neuen« Nachbar*innen.

Inzwischen ist ein breites und nachhaltiges Angebot etabliert: Konzerte und Theaterprojekte wie z.B. die Konzertreihe »Klangspiele« und die Workshopreihe »MASKENTHEATER: BAUSPIELAKTION!«, Medienworkshops wie »STAND UP! Media«, Sport- und Sprachangebote, Fahrrad- und Nähwerkstätten, Filmvorführungen »Welcome Movies«, gemeinsames Kochen, Essen, Klönen und Feste feiern. Für die inhaltliche Auseinandersetzung sorgen gesellschafts- und kulturkritische Veranstaltungen wie die Reihe »SICHTWEISEN«. Sie soll mit Themen wie »Populismus«, »Fake News« oder »Globalisierung« alle Menschen erreichen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, aber auch alle, die sich nach Strategien und Diskussion im Umgang mit Populismus, Rassismus und gesellschaftlicher Spaltung sehnen.

WIQ hat auch Patenschaften zusammengeführt, damit die Nachbar*innen sich kennenlernen, Einblicke in die westliche Kultur, in Familienleben, Berufsleben und Alltag erhalten und um grundsätzlich das Ankommen zu unterstützen. Inzwischen sind etwa 20 Patenschaften mit über 70 Geflüchteten aufgebaut, Tendenz steigend. Zwei Geflüchtete arbeiten außerdem im »BFD Welcome« (Freiwilligendienst für Geflüchtete) im Goldbekhaus mit.

Die Initiative bietet Geflüchteten kulturelle (Bildungs-)Angebote außerhalb der Flüchtlingseinrichtungen an und will ihnen dadurch mehr Selbständigkeit und auch etwas Unabhängigkeit verschaffen. Geflüchteten bekommen eigene Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand; zum größten Teil ist das erfolgreich umgesetzt. »Gelingen konnte dies, weil verschiedene Kräfte im Quartier gebündelt, aus mehreren Richtungen Bedarfe analysiert und Erfahrungen gemeinsam ausgewertet werden«, so WIQ. Dadurch entstehe ein Mehrwert, den jede Institution, jedes bürgerschaftliche Engagement für sich allein nicht selbstwirksam als Handlungsfeld hätte aufbauen können. »Gemeinsam sind wir mehr als die Summe der Einzelnen.«

Übrigens betreibt »WIR IM QUARTIER« seit April 2016 den lesenswerten Blog WIQ – Gemeinsam mit Geflüchteten, auf dem rege über die Angebote, Veranstaltungen und Termine, ja über gute Nachbarschaft berichtet wird.

Fotos: Mona Dahmen

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05.10.2017

»Kulturbotschafter«

Wie erreicht man mit kulturellen Angeboten geflüchtete Kinder und Jugendliche direkt und so, dass es genau ihr Interesse trifft? Das zeigt das aktuelles Projekt »Kulturbotschafter« von Lukulule e.V.

Seit dem 1. September besuchen Lukulule-Mitarbeiter*innen in kreativen Teams, bestehend aus Sozialpädagog*innen und Künstler*innen, diverse Geflüchteten-Wohnunterkünfte in Rahlstedt. Sie musizieren in monatlichen Jam-Sessions mit den Bewohnern und entwickeln im engen Kontakt mit ihnen interessenbasierte Kurs- und Workshop-Angebote. Der Verein stellt die Weichen für das Gelingen der Angebote, da er die Organisation und Bürokratie übernimmt. Geflüchtete Menschen, die als Dolmetscher*innen und Vermittler*innen zwischen den Workshop-Anbieter*innen und den Bewohner*innen agieren, werden intensiv in das Team eingebunden. So können die am tatsächlichen Bedarf konzipierten Angebote im neuen Jahr gleich realisiert werden.

Die Kooperation mit Jugendeinrichtungen in der Umgebung soll Geflüchtete mit gleichaltrigen Hamburger Kindern und Jugendlichen zusammenbringen. Durch das neue Willkommens-Programm will Lukulule mit Musik, Tanz und Theater Berührungsängste überwinden und Prozesse des sozialen und kulturellen Austauschs anstoßen um die Integration der Neu-Hamburger langfristig zu unterstützen.

Seit 2014 ist Lukulule e.V. in der Arbeit mit Geflüchteten aktiv. Über das Projekt FlüchtLINK, für das Lukulule 2015 mit dem Ideenpreis Stadtteilkultur ausgezeichnet wurde, konnte der Verein ein Netzwerk aufbauen und darin bereits diverse Kulturangebote an Erstaufnahme- und Jugendkultureinrichtungen realisieren. Das Konzept für »Kulturbotschafter« wurde in Kooperation mit dem Caritasverband für Hamburg e.V., der f & w fördern & wohnen AöR sowie den Bezirksämter Mitte und Wandsbek erarbeitet.

Die Ansprechpartnerin Meike Ohene-Dokyi ist erreichbar unter info@lukulule.de oder telefonisch unter 040 / 547 526 61.

Fotos: Lukulule e.V.

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26.092017

Bücher-Spaß für Wichte

Wie macht man Kindern unter drei Jahren Lust auf Bücher? Das Projekt »Gedichte für Wichte« der Initiative Buchstart Hamburg macht es vor. Eltern können mit ihren Kindern kostenlos an den Gruppen teilnehmen, die sich einmal in der Woche in verschiedenen familiennahen Einrichtungen, wie Elternschulen, treffen. Es wird gesungen und geklatscht, die Gruppen machen Fingerspiele und gucken Bilderbücher an. Honorarkräfte und Ehrenamtliche leiten die Gruppen, es gibt mehr als 70 in allen Teilen der Stadt, in elf verschiedenen Sprachen.

Die Annahme, Kleinkinder hätten noch kein Interesse an Büchern oder könnten sich nicht darauf konzentrieren, ist erstaunlich weit verbreitet. Wer mit seinem Kind mal an »Gedichte für Wichte« teilgenommen hat, weiß, dass da eine Horde Mini-Menschen wie gebannt vor dem aufgeschlagenen Buch kniet und gespannt dem vorgelesenen Geschehen folgt. Ein offener Bücherkoffer lockt auch ohne Aufforderung die »Wichte« an. Nebenher toben ist auch erlaubt. So werden Bücher bereits früh auch Kindern nahegebracht, die in der Familie nur unregelmäßig oder keinen Zugang dazu haben. Die Eltern und Kinder entdecken, was für einen Spaß Fingerspiele, gemeinsames Singen, Reimen und Bücherangucken auch zu Hause machen können. So wird die Sprachentwicklung der Kinder spielerisch gefördert. Nebenbei lernen Klein und Groß sich auch noch kennen und tauschen sich über »Wichtelthemen« aus.

Einige der Gruppen sind zweisprachig konzipiert. In einer Lokstedter Kita gibt es eine deutsch-arabische Gruppe »Gedichte für Wichte«, in der auch arabische Bücher gelesen werden. Rahma Ibrahim, die die Gruppe leitet, freut sich, »dass wir hier in Lokstedt eine Gruppe speziell für Mütter aus dem arabischen Raum einrichten können. Sie machen sich oft Sorgen, ob sie alles richtig machen. Und wir haben auch einfach viel Spaß zusammen!« Die Mütter finden dort Bücher in ihrer Sprache und Anregungen, wie sie ihre Kinder beim mehrsprachigen Aufwachsen unterstützen können.

Das mehrfach ausgezeichnete Projekt wird von der Behörde für Kultur und Medien getragen, der Verein Seiteneinsteiger organisiert es. Übrigens ist dazu im Carlsen-Verlag das Buch »Gedichte für Wichte« von Annette Huber und Nina Kuhn erschienen, mit Liedern, Reimen und Spielen sowie tollen Illustrationen von Dunja Schnabel.

Wer eine Gruppe in seinem Stadtteil sucht oder selbst eine gründen möchte, findet die Informationen auf der Webseite des Projekts. Die Ansprechpartnerin Annette Huber ist telefonisch erreichbar unter 040/67 95 65 07.

Fotos: Buchstart

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19.09.2017

»Heimat Tanz – Zuhause in Barmbek« – Tanzend um die Welt reisen

Zehn bis zwanzig Mädchen und Jungen gemischter Herkunft aus der Barmbeker Flüchtlingsunterkunft Hufnerstraße und der Adolph-Schönfelder-Grundschule gehen zusammen auf eine besondere Reise. Sie lernen die Lebenswelten unterschiedlicher Kontinente kennen und entdecken tanzend die Geschichte, Musik und Sprache einzelner Länder. Darum geht es in dem Projekt »Heimat Tanz – Zuhause in Barmbek« des Kulturzentrums Zinnschmelze.

Zwei Tanzpädagoginnen haben seit September 2016 regelmäßig mit den Kindern gearbeitet. Die spielerische Begegnung mittels Tanz, Musik und Bewegung ist die zentrale Methode von »Heimat Tanz«. Neben nonverbalen tänzerischen Elementen wurden über kleine Erzählungen und Lieder die Herkunftsgeschichten der Kinder zum Thema und zu einer gemeinsam entwickelten Geschichte verbunden. Bekannte Lieder aus unterschiedlichen Kulturen wurden aufgegriffen und eigene Texte zu populären oder volkstümlichen Melodien entwickelt, was die Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Volkstraditionen und mit alter und neuer Heimat gefördert hat. Wichtig war auch der Ortswechsel aus der Schule in das Kulturzentrum, um eine andere Lernumgebung und Welterfahrung für alle Kinder zu ermöglichen. Parallel zum Tanzprojekt fand ein Elternprogramm mit einer Kulturpädagogin statt. Durch regelmäßiges Einbeziehen der Eltern und die Vernetzung untereinander wurden Kontakte und das Erlernen der Sprache auch bei den Erwachsenen gefördert. Gemeinsam mit den Eltern bereiteten die Kinder die Abschlusspräsentation im Juni 2017 vor. Dass das Projekt mit 20 Kindern startete und mit zehn zum Abschluss kam, lag übrigens nicht am mangelnden Interesse, sondern an Umzügen oder Abschiebungen der geflüchteten Familien.

»Ich war rundum beeindruckt, wie die Kinder durch ruhige, bestimmte, aber zugewandte Ansagen zu konzentrierter Aufmerksamkeit gebracht wurden. Es war wunderbar zu sehen, wie sie auch miteinander respekt- und rücksichtsvoll umgingen. Das habe ich auch schon anders erlebt! Besonders interessant war für mich die große Spannweite, mit der die Kinder sich einbringen konnten. Da gab es echte kleine Begabungen, die sich graziös durch den Raum bewegten. Und andere waren arg schwerfällig, ohne sich dadurch entmutigen zu lassen. Und das Tolle: Es spielte überhaupt keine Rolle. Ein wunderschönes Projekt!« So lautet das Fazit von Hannelore Schröder, ehrenamtl. Mitarbeiterin der Flüchtlingsunterkunft Hufnerstrasse.

Das Projekt geht ab September 2017 in die zweite Runde. Im Juni 2018 ist wieder die Abschlussaufführung geplant. »Heimat Tanz – Zuhause in Barmbek« wird gefördert von »Freiräume! Fonds für kulturelle Projekte mit Geflüchteten«.
Wer mehr über das Projekt wissen möchte, kann sich an die Projektmanagerin Khatuna Hartmann wenden, Telefon 040/ 23 18 85 58, weitere Informationen auch unter www.zinnschmelze.de

Fotos: Zinnschmelze
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13.09.2017

Die Welt mit Willis Augen sehen – Buch-Werkstatt zur Andersartigkeit

Willi ist ein kleiner Junge, der von einem anderen Planeten kommt. Da ist einiges anders als bei uns auf der Erde. Deswegen ist es manchmal schwierig für Willi, sich zurechtzufinden. Aber er liebt das Leben auf der Erde sehr und wir Erdenmenschen können viel von Willi lernen.

Birte Müller ist Illustratorin, Autorin und Mutter von Willi, der schwerstbehindert ist. Mit ihrem Buch »Planet Willi«, erschienen bei Klett-Kinderbuch, hat sie einen besonderen Weg gefunden, anderen Kindern seine Andersartigkeit und seinen Blick auf die Welt zu vermitteln. In Zusammenarbeit mit dem Kinderbuchhaus im Altonaer Museum bietet Birte Müller eine Buch-Werkstatt voller Farben und Geräusche mit der Autorin an, und mit reichlich Zeit für Fragen und Gespräche. Jede Klasse/Gruppe erhält zudem ein signiertes Buch »Planet Willi«, das übrigens für den Jugendliteraturpreis nominiert ist.

Das Angebot eignet sich für Gruppen mit Kindern ab fünf Jahren mit Normal-Syndrom und Anders-Syndrom. Bewerben können sich alle Vorschul- und Grundschulklassen, Hortgruppen, Vereine und Selbsthilfegruppen aus dem gesamten Hamburger Stadtraum. Das Kinderbuchhaus im Altonaer Museum ist einer der wenigen Orte in Deutschland, an denen Originalillustrationen aus Kinder- und Jugendbüchern zu sehen sind. In wechselnden, vielfältigen Ausstellungen werden die Werke namhafter Illustratoren in den Räumen des Kinderbuchhauses präsentiert. Im Kinderbuchhaus wird gelesen, vorgelesen, geschrieben, illustriert, kritisiert, gedruckt und gebunden, beraten und informiert.

Das einzigartige Werkstattprojekt von Birte Müller und dem Kinderbuchhaus wird ermöglicht durch die großzügige Zuwendung aus dem Fonds »Kultur bewegt« der Stiftung Maritim Hermann und Milena Ebel und der Kulturbehörde Hamburg.

Am Donnerstag, 14.09.2017, erhält Birte Müller vom Harbour Front Literaturfestival das 5. Hamburger Tüddelband, einen Preis für Autoren, die sich mit viel Freude, Kreativität und hoher Qualität der Literatur der jüngsten Leser widmen. Wir gratulieren herzlich und posten anlässlich der Preisverleihung hier in unserem BLOG auch einen Beitrag von Birte Müller zum Thema »Kultur ist Vielfalt«.
Zu einer Rezension zu Planet Willi in »Der Spiegel«

Buchung der Buch-Werkstatt unter Telefon 040/42 81 35 15 43 oder per E-Mail an info@kinderbuchhaus.de. Weitere Informationen auf www.kinderbuchhaus.de

Fotos: Matthias Wittkuhn
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07.09.2017

»Unser Leben in Hamburg« – Foto-Projekt mit jungen Geflüchteten

Junge Geflüchtete, die in Hamburg leben, erzählen etwas über sich selbst – mit Fotos. Darum geht es in dem Projekt »Unser Leben in eurem Stadtteil« des Vereins Genety, das im Spätsommer stattgefunden hat. Die Teilnehmer, etwa 45 junge Erwachsene, wurden in die Digitalfotografie eingeführt und lernten den Umgang mit Spiegelreflexkameras und Bildbearbeitungsprogrammen. Über mehrere Wochen hinweg arbeiteten sie in Kleingruppen zusammen. Foto-Experten, Kompetenz-Coaches und pädagogische Fachkräfte unterstützten sie bei dieser Biografie-Arbeit. Der Schwerpunkt lag neben der Fotografie auf der Persönlichkeitsbildung, Teamförderung und Integration. »Ich habe mich so gefühlt, als ob ich alles schaffen könnte«, sagt Khawla.

Zum Abschluss wurden die Fotos öffentlich gezeigt. Bei der Organisation der Ausstellung standen kreative Praxisphasen und kognitive Lernphasen im Fokus. Kooperationspartner ist die Wohnunterkunft Haus Elfsaal in Jenfeld. Das Bezirksamt Wandsbek unterstützt das Projekt.

Für den Verein Genety, der sich seit 2006 um die Zukunft von förderbedürftigen Kindern und Jugendlichen kümmert, ist es das erste Projekt, das gezielt mit Geflüchteten arbeitet. Genety bietet Kurse zu Theater, Tanz, Foto, Kunst, Lerncoaching, NLP-Training und Gewaltprävention an. Fotografie ist ein Schwerpunkt des Vereins, in dem Potentiale gestärkt, Fototalente entdeckt und Ausbildungsreife gefördert werden soll. Genety erklärt: »Wie wir unsere Jugendlichen fördern? Indem wir uns für sie interessieren, sie wertschätzen und mit viel Herzblut ihre Fähigkeiten und Talente stärken.«

Kontakt: Petra Wollny (Vorstand Genety), unter Telefon 0173/860 39 60 oder per E-Mail an info@genety.de. Weitere Infos unter www.genety.de

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04.09.2017

Bauen mit Lehm für Groß und Klein – Räume durch Erleben entwerfen

Der gemeinnützige Verein Bunte Kuh e.V. bietet insbesondere in benachteiligten Gebieten mehrwöchige Mitmach-Aktionen an. Dabei bauen Kinder und Erwachsene nach eigenen Entwürfen frei modellierte, begehbare Räume und Skulpturen- Sie können bis zu vier Meter hoch werden und bestehen aus bis zu 70 Tonnen Lehm.

Durch die Hände und die Fantasie der kleinen und großen Baumeister entsteht mit fachlicher Betreuung unter einem Zeltdach eine faszinierende, neue Stadt mit Kuppeln, Höhlen, Monstern… Nach dem Abschlussfest bestaunen und beklettern die Kinder die Riesen-Skulpturen in den Ausstellungswochen und nehmen ihre Modelle mit nach Hause. Dann werden die Bauten abgetragen und der Lehm wieder genutzt für neue Bau-Abenteuer. Die Mitmach-Aktion ist für alle Besucher offen: für Jung und Alt, Behinderte und Menschen aller Nationen.

»Lebendigkeit auf der Straße, Arbeit mit einem alten Baumaterial inmitten der eher kalten Umgebung. Viele Bewohner und Einkaufende kamen interessiert und neugierig an und erlebten so ein Stück Neueroberung ihres Stadtviertels. Die soziale Komponente des gemeinsamen Bauens, die gelungene Integration aller Kinder beim Bauen mit Lehm ist hervorragend zum Tragen gekommen. Jeder tat seinen Teil bei der gemeinsamen Arbeit, erlebte so deren Bedeutung für das Ganze und am Ende waren alle mächtig stolz darauf, wie viel sie doch alle zusammen geschafft hatten«, erzählt Heidemarie Schoppelrey, Schule Ludwigstraße.

Das Projekt findet über mehrere Jahre im Sommer an gleichen Orten statt, wie in Wilhelmsburg und St. Pauli. Die ‚kulturelle und soziale Klebekraft’ des Baumaterials Lehm verbindet dann ca. 5.000 Kinder, ihre Lehrer und Erzieher, Familien und Nachbarn im Rahmen einer öffentlichen ‚Stolzproduktionsanlage’. Die aus vielen verschiedenen Kulturen kommenden Teilnehmer schaffen während des sinnlich-kreativen, kommunikativen Bauens nicht nur fantasievolle Architektur mitten im Stadtteil, sondern auch neue Räume der Begegnung.

Olga, Fachschülerin für Sozialpädagogik (FSP Altona), meint: »In unserer Zeit, finde ich, dass es wichtig ist, solche Projekte vorzuführen, für man kein Geld bezahlen muss, und die für Kinder sind. Wo können die Kinder und Eltern andere kennen lernen und kommunizieren? Teil von etwas zu sein, das ist wichtig für jedes Individuum.«

Bunte Kuh e.V. lädt ein zur nächsten Lehmbau-Mitmach-Aktion vor der Rindermarkthalle St. Pauli, Neuer Kamp 31, 20359 Hamburg (neben der U-Bahn Feldstraße).

Bautage: 12. – 30.9.2017 (Di-So), 9.30 – 17.00 Uhr
Fest: Sa. 30.9., 15.00 – 18.00 Uhr
Ausstellung: 1. – 8.10. 2017, 10.00 – 18.00 Uhr

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nur für Gruppen ab vier Personen erforderlich unter Tel. 040 – 39 90 54 31. Weitere Infos

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28.08.2017

Formation*NOW – Das Oberhafenquartier als Bühne

Lust an Kunst und Lust am Leben – dieses Motto trägt der Lukulule e.V., der Kulturprojekte mit Kindern und Jugendlichen realisiert, bereits in seinem Namen. In diesem Jahr wird der Verein erstmals ein Festival im Oberhafenquartier organisieren.

»Formation*NOW« bietet im September den ganzen Monat ein sehr buntes Programm. Beteiligt sind 35 Künstler/innen aus Hamburg und sechs internationale Gäste sowie mehr als 200 Jugendliche. Es wird Aufführungen geben, Workshops zu Themen wie Schlagzeug, Afrohaar und zum kreativen Umgang mit Kleidung, Contests zu Tanz, Gesang und Theater, Gastspiele, eine Talkshow, eine Upcoming Star-Bühne und vieles mehr. Die Regisseurin Mable Preach leitet das Festival.


Fotos: Benno Tobler

Das Ziel der Veranstaltung: »Ausgehend von der Idee, ein glokales Jugendfestival am Oberhafen auszurichten, geht es uns insbesondere darum zu erleben, wie Diversität innerhalb der Jugendkultur aussieht.« Das Festival will das Zusammenkommen einzelner Akteure ermöglichen, die durch kulturelle Praktiken etwas in Bewegung bringen. Auch soll es zum engeren Austausch zwischen Jugendinstitutionen kommen. Der Mehrwert – neben dem Spaß – besteht in der Vernetzung der kulturellen Jugendarbeit in Hamburg, die bisher wenig Vernetzung und Formation aufweist.

Teilnehmende Künstler: Tabitha Minott, Sydney, Hendrickx Company, Dany Banany, Curly Chocolate, Booz, Michelle Sattva, Kai Lietzke, Ivan Links, Bisi Bangiwe, Gully Fusion, Funnie Sosa

Das Programm wird auf www.formationnow.de veröffentlicht. Der Verein Lukulule e.V., Stockmeyerstraße 43, ist unter Telefon 040/54 75 26 61 erreichbar, Informationen gibt es auch auf lukulule.de

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24.08.2017

Gitarrenklänge aus aller Welt

Beim JugendGitarrenOrchester-Hamburg (JGOH) geht es nicht darum, eine Auslese der vermeintlich besten jungen Gitarristen zu versammeln. Vielmehr sollen hier Jugendliche und Kinder in ihrer Leistungsbereitschaft und musikalischen Entwicklung bestärkt und intensiv gefördert werden. Die Ergebnisse der vergangenen Jahre sind ein eindrucksvoller Beleg für die erfolgreiche Orchesterarbeit.
Das eher klassisch orientierte JGOH brach 2016 anlässlich des zehnjährigen Bestehens zu neuen Ufern auf. Das Ensemble traf viele renommierte Musiker aus Ländern wie den USA, Argentinien und Australien, um mit ihnen zu spielen. Komponisten aus aller Welt schrieben Stücke für das junge Ensemble. Das Resultat wurde auf CD aufgenommen. Das Album „Dedicated – JGOH and Friends“ kann auf der Webseite des Orchesters bestellt werden.

Das JGOH setzt die Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern fort. So hat der argentinische Komponist Jorge Cardoso ein Stück für das Ensemble geschrieben, das im Dezember aufgeführt wird. Das JGOH hat 18 Mitglieder zwischen elf und 28 Jahren, das JGOH-Juniorteam hat 21 Mitglieder zwischen sieben und 13 Jahren. Jeder, der einige Grundkenntnisse hat, ist willkommen.

Wer dabei sein möchte, der sollte jetzt die Chance für einen Einstieg nutzen. Da derzeit ein komplett neues Programm einstudiert wird, bietet sich gerade ein perfekter Zeitpunkt um Mitglied zu werden und gemeinsam Schritt für Schritt die neuen Stücke zu erarbeiten. Die Teilnahme ist kostenlos! Jeder kann dabei sein. Es gibt keinerlei Probevorspiele oder Aufnahmeprüfungen.

Mehr erfahren kann man in einem YouTube-Bericht über das JGOH-Juniorteam.

Kontakt unter Telefon 040/538 71 66 und www.jgo-hamburg.de

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21.08.2017

Graffiti lernen vom Profi

Eines der beliebtesten Angebote des Jugendkunsthauses Esche ist der Graffiti-Workshop. Beat Boy Delles, ein in der Szene bekannter Künstler, der auch in enger Zusammenarbeit mit dem Rapper Samy Deluxe in sozialen Projekte engagiert ist, unterrichtet die Jugendlichen. Er ist der künstlerische Leiter der Esche.

In den Workshops mit Titeln wie »Can Corner«, »Outliners«, »Fresh Rockers« oder »Kingstylez« werden zuerst Skizzen mit Bleistift angefertigt, dann geht es mit Sprühdosen, Airbrush-Pistolen und Lackstiften weiter, um eigene Tags und Styles zu entwickeln. Neben der Geschichte des Graffiti lernen die Kinder und Jugendlichen die Basics »Blockletter«, »Simple« und »Bubblestyle«. Die Ansage dabei: »Wir fördern keine Farbschmierer, sondern die Kunst des Einzelnen«. Bei den Sommer- und Winterfesten der Esche können die Werke bestaunt werden.

Das Jugendkunsthaus Esche in Hamburg-Altona wurde im Februar 2016 in Privatinitiative eröffnet und bietet mit seinem breiten Spektrum an kostenlosen Kreativkursen einen Freiraum der Vielfalt. Kinder und Jugendliche ab der fünften Schulklasse, die sich das sonst nicht leisten könnten, erhalten Mal-, Musik- oder Tanzunterricht von renommierten Workshopleitern. Sie kommen aus verschiedenen Sparten und bringen ihre langjährige Erfahrung ein. Das Angebot der Esche wird ausschließlich aus privaten Spenden finanziert.

Hier geht es zu einem Porträt über Beat Boy Delles

Das Kunsthaus Esche, Eschelsweg 4, ist unter Telefon 040/730 81 04 50 erreichbar sowie unter esche.eu

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14.08.2017

Geschichtenfahrrad – Sprachförderung auf zwei Rädern

Eine ganz besondere Art der Sprachförderung ist das Projekt Geschichtenfahrrad im Hamburger Westen, eine Kooperation der Bücherhallen Hamburg mit dem BücherParadies Iserbrook und dem Lesenetz Hamburg. Das Geschichtenfahrrad ist ein ehemaliges, von der Künstlerin Mareike Scharmer bunt bemaltes Postfahrrad mit einem darauf montierten Minitheater voller Bildkarten. Mit dessen Hilfe werden Geschichten erzählt, ganz wie in einem traditionellen japanischen Kamishibai-Straßenthater. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Projekts kommen ein- bis zweimal wöchentlich mit dem Geschichtenfahrrad in Flüchtlingsunterkünfte und lesen Kindern Märchen und Geschichten vor, wie die von der kleinen Raupe Nimmersatt. Die Besuche werden von den Kindern begeistert aufgenommen.

Das aus Japan stammende Erzähltheater Kamishibai (japanisch für Papiertheater) besteht aus einem nach oben geöffneten Wechselrahmen mit Flügeltüren, die sich aufklappen lassen. Bilder können nacheinander präsentiert werden, so dass sich kindorientierte Geschichten in szenischer Abfolge erzählen lassen und mit wenig Aufwand »Kino im Kopf« entsteht. So einfach, aber zugleich anschaulich und spannend können Sprachförderung, der Abbau von Sprachbarrieren sowie die spielerische Kontaktaufnahme zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingskindern sein.

Aufgesucht werden Wohnunterkünfte in Blankenese, Iserbrook und Sülldorf zu vorher vereinbarten Zeiten. 2016 fanden 24 Kamishibai-Veranstaltungen mit 275 Kindern statt. Das Geschichtenfahrrad ist ein Kooperationsprojekt der Bücherhallen Hamburg mit dem Lesenetz Hamburg und dem BücherParadies Iserbrook. Das Kamishibai-Fahrrad wird unter anderem finanziert durch Erlöse eines Benefizkonzertes des Hamburger Konservatoriums sowie Mittel aus dem Fonds »Flüchtlinge & Ehrenamt« mehrerer Hamburger Stiftungen.

Wer mitmachen möchte, meldet sich unter Telefon 040/38 64 07 82 oder 040/50 03 01 06 oder schreibt eine E-Mail an geschichtenfahrrad@web.de. Weitere Informationen