Hintergrund

Die LAG Kinder- und Jugendkultur und ihre Mitglieder haben sich in ihrem Leitbild der kulturellen Vielfalt verschrieben, damit die Teilhabe an Kultur immer ihre inklusive Wirkung entfalten kann. Prozesse kulturellen Handelns versteht die LAG als gelebte demokratische Praxis, Kinder- und Jugendkultur als ein positives Beispiel für das Zusammenleben einer multikulturellen Stadtgesellschaft. Gegeben ist dies, wenn Vielfalt selbstverständlich auf allen Ebenen des kulturellen Schaffens zu finden ist und konstruktive Netzwerke der Zusammenarbeit entstehen.

Leitbild »Kultur ist Vielfalt«

Präambel


Hamburg ist eine Stadt vieler Kulturen. Hier leben Menschen aus über 180 Nationen, mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen haben mindestens ein Elternteil, das nicht in Deutschland geboren wurde.
In den vergangenen Monaten sind viele Männer, Frauen und Kinder aus anderen Ländern zu uns geflüchtet. Die Gesellschaft hat darauf gespalten reagiert. Viele Menschen bemühen sich an unterschiedlichsten Stellen um Hilfestellung und Integration. Andere flüchten sich in vereinfachte Denkweisen und bemühen sich um Abgrenzung. Vor dem Hintergrund dieser aktuellen Entwicklungen in Deutschland wie in Hamburg hat sich die Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur e.V. (LAG) entschieden, ein Leitbild für ihre Arbeit zu definieren, das die LAG und ihre Mitglieder als Akteure der Kinder- und Jugendkultur klar positioniert.

Unser Kernbereich: Kulturelle Bildung


Gelungene Kulturelle Bildung zeichnet sich aus durch die pädagogischen Prinzipien Ganzheitlichkeit, Partizipation, Freiwilligkeit, Selbstwirksamkeit und Selbstwertstärkung. Dafür stehen wir.

Vielfalt statt Leitkultur


Die Mitglieder der LAG machen kulturelle Angebote für alle Kinder und Jugendlichen dieser Stadt – ohne Unterscheidung »ihres Geschlechtes, ihrer Abstammung, ihrer Rasse, ihrer Sprache, ihrer Heimat und Herkunft, ihres Glaubens, ihrer religiösen oder politischen Anschauungen.« (Art. 3 GG)
Die LAG lehnt die Definition einer deutschen Leitkultur ab – unsere Gesellschaft und unsere Kultur befinden sich in einem ständigen Wandel, jede propagierte »Leitkultur« ist willkürlich festgelegt und zielt in erster Linie auf den Ausschluss Vieler.
Basis unserer Arbeit sind die Konvention der UNESCO »Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen« sowie die Konventionen der UN »Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen« und »Übereinkommen über die Rechte des Kindes (Art. 28, Das Recht des Kindes auf Bildung)«. Neben Politik, Schule und Gesellschaft ist es auch unsere Aufgabe, diese Konventionen für unsere Stadt Wirklichkeit werden zu lassen.

Inklusion ist Menschenrecht


Jeder Mensch hat das Recht auf kulturelle Teilhabe und das Recht auf Bildung. Die Mitglieder der LAG begegnen jedem Kind und jedem Jugendlichen offen und vorurteilsfrei. Insbesondere Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer finanziellen oder sozialen Situation, ihrer Herkunft oder ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten benachteiligt werden, sollen in der Kinder- und Jugendkultur in Hamburg keinerlei Ausgrenzung erfahren.

Kinder- und Jugendkultur ist auch Prävention


Kinder und Jugendliche, die selbst künstlerisch tätig werden – tanzen, schreiben, Theater spielen, musizieren, malen oder ähnliches – erfahren Selbstwirksamkeit und entdecken an sich Kompetenzen, die ihnen bisher unbekannt waren. Sie erleben Gemeinsamkeit und werden wahrgenommen. Ihnen wird ohne Vorbehalt begegnet. Dies zu erleben kann langfristig vor dem Gefühl schützen, aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein. Damit kann Kultur sowohl vor Vereinsamung als auch vor Radikalisierung bewahren. Kinder und Jugendliche lernen, anderen mit Respekt zu begegnen, andere Wege und Meinungen zu tolerieren und Konflikte ohne Gewalt zu lösen.

Zur Integration gehören alle


Integration betrifft alle, jede und jeder Einzelne kann und muss einen Beitrag dazu leisten.
Künstlerische, kreative Mittel helfen, ohne Beschränkung durch Sprachkenntnisse Erlebnisse in der Heimat, auf der Flucht oder im Zufluchtsland zum Ausdruck zu bringen. Auf diese Weise können die Kinder und Jugendlichen sich vielfältig mitteilen und wahrgenommen werden. Kultur, wie die Mitglieder der LAG sie verstehen, ist durchlässig und offen für neue Impulse, sie gewährt jedem Zugang und ist bereit und in der Lage, Einflüsse aufzunehmen.
Die Kinder- und Jugendkultur leistet einen großen Beitrag zur Integration. Sie grenzt niemanden aus und schafft Begegnungen mit Einheimischen, Zugewanderten und ihren Kulturen. Die Mitglieder der LAG sind überall vor Ort: in allen Stadtteilen, in Schulen, Kitas und in Erst- und Folgeunterkünften für Asylsuchende. Die Kinder- und Jugendkultur kann alle erreichen.

Kultur entsteht gemeinsam


Die Mitglieder der LAG verstehen Kultur als Gemeinschaftsproduktion. Sie beziehen die Kinder und Jugendlichen ein und achten ihre Wünsche und Bedürfnisse. Sie nehmen Kinder und Jugendliche ernst. Auf diese Weise gewährleisten sie Partizipation, Mitbestimmung und Mitgestaltung. So verstandene Kulturelle Bildung ermutigt die Kinder und Jugendlichen zur aktiven und verantwortlichen Mitgestaltung der Gesellschaft.
Akteure der Kinder- und Jugendkultur in Hamburg kooperieren auf vielfacher Ebene, um möglichst allen Kindern und Jugendlichen kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Sie arbeiten mit Eltern, Schulen, Kitas, Institutionen der Jugendhilfe und Einrichtungen der Flüchtlingshilfe eng zusammen. Dabei ist das Ziel stets eine gleichberechtigte Kooperation zum Wohle des Kindes.

Das Leitbild wurde am 7. Juni 2016 auf der Mitgliederversammlung der LAG Kinder- und Jugendkultur diskutiert und verabschiedet.