Mission Statement

Unsere Gesellschaft ist vielfältig. In Deutschland leben Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen, geschlechtlicher Identitäten, sexueller Orientierungen, mit unterschiedlichen äußerlichen und inneren Merkmalen, unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlicher Bildung und unterschiedlichen finanziellen Mitteln. Wir alle sind diese Vielfalt, wir alle gemeinsam bilden diese Gesellschaft.

Diese Vielfalt bildet sich jedoch in vielen Strukturen des öffentlichen Lebens nicht ab. Menschen werden aufgrund bestimmter Merkmale ausgeschlossen, manchmal bewusst und beabsichtigt, oft unwissentlich und manchmal auch unbeabsichtigt. Damit sich das ändern kann, ist es wichtig, die Probleme erstmal beim Namen zu nennen.

Unser Land hat sich viele Gesetze gegeben, die besagen, dass alle die gleichen Chancen haben sollen – von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte über das Grundgesetz, die Ratifizierung diverser UN-Konventionen bis hin zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Dennoch gibt es in diesem Land jeden Tag und überall Diskriminierung. Es gibt Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Diskriminierung aufgrund zugeschriebener Behinderung, geschlechtlicher Identität, sexueller Orientierung, sozialer Herkunft, Alter, Aussehen, Religion – und sicher noch andere Formen der Benachteiligung, die uns noch nicht einmal bewusst sind.

Diskriminierung erfolgt im Alltag , mal ganz offen und gezielt, mal getarnt als schlechter Witz oder in unbedachter Sprache. Manchmal ist sie sogar wohlgemeint (»Darf ich mal Deine Haare anfassen? Die sind so toll!«) oder gibt sich interessiert – etwa durch die Frage, woher jemand denn ursprünglich komme, was jedoch zwangsläufig die Botschaft transportiert: »So wie du aussiehst, ja jedenfalls nicht von hier«. Oft ist sie einfach gedankenlos: Treppenstufen ohne alternative Zugänge, geringe Schriftgrößen und Kontraste auf Veröffentlichungen, ein Kinder-Buntstift in »Hautfarbe«. Unsere Gesellschaft ist in der Regel so organisiert, dass sie Menschen nicht mitdenkt, die nicht der vermeintlichen Norm entsprechen: die Aufteilung in Mann und Frau, Arbeitsessen während des Ramadans, Mode nur in kleineren Größen und vieles mehr.

An vielen Stellen erfolgt Diskriminierung unsichtbar und nur schwer nachweisbar: Studien zeigen, dass Kinder mit nicht-traditionell deutschem Namen oder entsprechend zugeschriebenem Aussehen oder aus Nicht-Akademiker*innen-Haushalten bei gleicher Leistung schlechtere Schulnoten erhalten. Menschen, deren Namen für die Mehrheit nicht »deutsch« klingen, sind bei Bewerbungen und Neuvermietungen deutlich im Nachteil. Das führt dazu, dass ganzen Bevölkerungsgruppen aufgrund bestimmter Attribute Zugänge zu höherer Bildung, zu Jobs und zu Wohnraum verwehrt werden. Das ist strukturelle Diskriminierung.

Diese strukturelle Diskriminierung findet sich auch im Kulturbereich, obwohl hier so viele Menschen arbeiten, die sich selbst als »offen« definieren und Kultur per se als vielfältig verstehen. Dennoch arbeiten in den Kultureinrichtungen insbesondere in der Führungsebene auffallend viele oft mehrfach privilegierte Menschen und nur wenige aus marginalisierten Gruppen. Viele Menschen fühlen sich von kulturellen Angeboten nicht angesprochen, weil sie nicht ihre Lebenswirklichkeit widerspiegeln oder weil sie den dort präsenten Gesellschaftsgruppen misstrauen. Andere haben aufgrund von räumlichen, sprachlichen und finanziellen Hürden keinen Zugang zu den Angeboten der Kultureinrichtungen.

Die LAG Kinder- und Jugendkultur als zivilgesellschaftlicher Verband der Hamburger Akteure will durch ihre Arbeit aktiv dazu beitragen, diese Situation zu verändern und zu verbessern. Dabei fangen wir bei uns selbst an – in der Geschäftsstelle und im Vorstand – und wollen unsere Mitglieder auf ihrem eigenen Weg unterstützen. Wir haben uns eine Road Map gegeben, in der festgehalten ist, welche Schritte wir auf diesem Weg gehen, welche Maßnahmen wir ergreifen und auf welche Aspekte wir in unserer Arbeit achten wollen.

Folgende Punkte wollen wir umsetzen:

  • In unserer Kommunikation achten wir auf diversitätssensible und verständliche Sprache. Wir bemühen uns, Begriffe zu vermeiden, die diskriminierend wirken können.
  • Wir gestalten unsere Website und andere digitale Produkte möglichst barrierearm. Für eigene Veranstaltungen bevorzugen wir barrierefreie Räume. Wir informieren über Barrieren bei unseren Veranstaltungen und bieten an zu prüfen, wie eine Teilnahme ermöglicht werden kann.
  • Bei der Auswahl von Bildmaterial achten wir darauf, dass möglichst viele gesellschaftliche Gruppen abgebildet werden.
  • Bei der Neubesetzung von Stellen streben wir an, dass die Personen eine bisher nicht repräsentierte Perspektive ins Team einbringen und bevorzugen daher Menschen mit Diskriminierungserfahrung. Wir bilden uns zu Themen der Diversität kontinuierlich fort, einzeln und als Team.
  • Bei Themenveranstaltungen und Netzwerktreffen greifen wir das Thema Diversität fortlaufend auf. In unserem Magazin bemühen wir uns um unterschiedliche Perspektiven und eine entsprechende Themenvielfalt.
  • Wir sprechen gezielt Menschen aus marginalisierten Gruppen als Fachkräfte an – als Werkstattleitende, als Autor*innen, Moderator*innen und ähnliches.
  • Wir bemühen uns, unser Netzwerk zu erweitern und so auch bisher nicht repräsentierte Perspektiven in unsere Arbeit einzubeziehen.
  • Wenn wir in unserem Umfeld Diskriminierung bemerken, benennen wir diese, beziehen Stellung gegen sie und solidarisieren uns mit den betroffenen Personen.

Wir sind uns bewusst, dass das Anstreben diverserer Strukturen und diversitätssensiblen Agierens ein Entwicklungsprozess ist, der vermutlich nie abgeschlossen sein wird. Wir alle sind durch unsere Sozialisation geprägt. Gleichzeitig versuchen wir unser Bestes.

Dieser Text wurde im Mai 2019 von der Geschäftsstelle der LAG, dem Vorstand und den Mitgliedern gemeinsam entwickelt, diskutiert und verabschiedet. Wenn Sie Fragen haben oder Ihnen Aspekte fehlen, sprechen Sie uns gerne an.