Einfach machen!
Einfache Sprache im FUNDUS THEATER
Interview in Einfacher Sprache hier

29. April 2026
Im aktuellen Programmheft und auf der Website des FUNDUS THEATER (FT) gibt es nun einige Texte in Einfacher Sprache, die mit einem Piktogramm markiert werden – ein kleines „e“ in einem roten Kreis. Kaum zu übersehen!
Wir wollten mehr darüber erfahren und haben deshalb Gundula Hölty und Christopher Weymann vom FT dazu befragt.

Open up!:
Wow! Ihr seid das erste Theater in Hamburg, das Einfache Sprache in der allgemeinen Kommunikation nutzt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Gundula Hölty:
Die Inspiration kam von unserer Freiwilligen Menja und ihrer Arbeitsassistentin Rieke. Menja braucht im Alltag Einfache Sprache, und wir hatten schon länger das Gefühl, dass unsere Texte oft schwer verständlich sind. Dabei wollen wir mit unserer Arbeit Kinder und Erwachsene ansprechen – auch Besucher*innen mit intellektueller Behinderung.
Als Menja und Rieke uns den Ratgeber Leichte Sprache gezeigt haben, dachte ich zuerst: Das schaffen wir nie. Das ist viel zu aufwendig. Aber dann haben wir gesagt: Wir fangen einfach an. Schritt für Schritt. Leichte Sprache im strengen Sinne können wir uns – finanziell und zeitlich nicht leisten. Deshalb haben wir uns für Einfache Sprache entschieden – und zunächst nur für die Ankündigung unserer eigenen Stücke.
Open up!:
Einfach machen, ohne Perfektionszwang also! Wie sah das ganz praktisch aus?
Gundula Hölty:
Wir haben uns am Ratgeber Leichte Sprache orientiert und versucht, zentrale Regeln umzusetzen: kurze Sätze, einfache Wörter und Erklärungen für Fachbegriffe. Für Begriffe wie „FLINTA“ oder „MINT“ haben wir das Heft um ein Glossar ergänzt.. Auch die Gestaltung war wichtig: Unsere Grafikerin hat zum Beispiel ein Icon entwickelt, damit die Texte sofort erkennbar sind. Bei der Produktion Frequenzsprung sind wir sogar noch einen Schritt weiter gegangen: Der Text wurde zuerst in Einfacher Sprache geschrieben und anschließend für die Presse in eine komplexere Version übersetzt. Und Menja hat die Texte vor Veröffentlichung gegengelesen und Rückmeldung gegeben.
Open up!:
Christopher, du bist Dramaturg und Regisseur von Frequenzsprung. Wie war es für dich, einen Text in Einfacher Sprache für deine eigene Produktion zu schreiben?
Christopher Weymann:
Ich kenne das Gefühl, dass die Ästhetik oft was anderes will als die Barriere-Armut. Das gilt auch für Texte zu Produktionen. Auch bei uns im Haus wurde, das diskutiert. Gerade weil wir als Kindertheaterhaus sehr darauf achten, die richtige Sprache zu finden, um Kinder anzusprechen, ohne diese zu bevormunden.
Jetzt habe ich beim Machen eher festgestellt: Das ist eine andere Form der Lyrik! Wenn man sich unsere Texte in Einfacher Sprache durchliest, finde ich, lesen sie sich wie Gedichte. Und das hat wiederum Spaß gemacht, besonders das Suchen nach Formulierungen, die klar in ihrer Aussage sind, aber noch nicht zu viel verraten, was passiert.
Open up!:
Habt ihr die Texte mithilfe von KI übersetzt?
Christopher Weymann:
Nein. Aber im Nachhinein wurden mir von Kolleg*innen KIs empfohlen – siehe Link unten. Ursprünglich habe ich die vorhandenen Texte erst nach dem Ratgeber Leichte Sprache übersetzt und bin dann in einen "Dialog" mit KI getreten. Danach hat Menja sie nochmal Korrektur gelesen.
Open up!:
Welche Rückmeldungen habt ihr bisher bekommen?
Gundula Hölty:
Bisher haben wir noch gar keine direkte Rückmeldung aus dem Publikum bekommen – was ja auch ein gutes Zeichen ist. Sehr positiv war die Reaktion einer Förderin, der Kulturstiftung des Bundes.
Für die Zukunft überlegen wir, auf unserer Website eine Wahlmöglichkeit einzubauen – also zwischen komplexerer Sprache und Einfacher Sprache, ähnlich wie bei Sprachumschaltern zwischen Deutsch und Englisch.
Links:
- Ratgeber Leichte Sprache vom Netzwerk Leichte Sprache
- KI-Übersetzer in Leichter Sprache
- FUNDUS-Programmheft Februar bis Juni 2026
